Männer schauen über den Tellerrand ihres Lebens ..

 

 

  Ein Bericht von Stefan Schöder    Woll Magazin Text

Der schweigsame, Holz hackende  Sturkopf?

Wann ist ein Mann ein Mann: Männergruppe Sauerland auf der Suche

 Der Mann im WOLL – Land ist verschrien als schweigsamer Einzelkämpfer, trinkfest und gesellig, aber nicht fähig oder willens, im Privatleben Initiative zu ergreifen. Gefangen in einem von den eigenen Vätern vorgelebten Rollenbild entweder des wenig Gefühle zeigenden Machers oder des Versagers, scheint das Leben der Männer im Sauerland nicht unbedingt ein Zuckerschlecken. Aber: „Indianer kennt keinen Schmerz.“ Die Kredite gehören abbezahlt, Frau und Kinder sollen zufrieden sein, und der Verein will auch noch ein gutes Mitglied haben. Reicht doch.

 Irgendwo auf halber Strecke zur geistigen Gesundheit scheinen viele Männer zu stocken und finden sich mit dem ab, was der Alltag im Sauerland so bietet. Meistens als Hauptversorger der Familie, am Wochenende in vielen Vereinen aktiv und immer irgendwie unter Druck, leben Männer die ihnen zugewiesenen Rollen. Nicht wenige schauen morgens in den Spiegel und fragen sich: War das schon alles?

 Ein Stuhlkreis in Mecklinghausen, Vorsicht, Allergiegefahr! Eine Gruppe von zwölf mutigen Männern stellt das Klischee des sturen Sauerländers seit Anfang 2012 auf den Kopf. Anfangs gingen sieben Männer aus dem WOLL -Land das Wagnis ein, etwas tiefer und ehrlicher miteinander zu kommunizieren, um die Begegnungen und Beziehungen, die ihre Leben mit sich  bringen, aktiver und positiver zu gestalten.  Von Lachern und abfälligen Bemerkungen mancher Geschlechtsgenossen unbeeindruckt, ließen sie aus dem Trüppchen versprenkelter Sucher eine starke Gruppe wachsen, deren Mitglieder sich dazu entschieden, im Leben mehr Tiefe zu finden. An jedem ersten Donnerstag im Monat beschäftigen sich die Männer handlungsorientiert mit Kommunikation, Problemlösungen, Meditation, Spiritualität und archetypischen Bildern der Männlichkeit. Fernab jeglicher religiöser Ideologie und esoterischen Schnickschnacks ist die Gruppe für jeden Teilnehmer eine große Bereicherung. Dort sitzt der Industriemechaniker, scheinbar kurz vorm Burnout; ein Chirurg berichtet von seinem unglaublich verantwortungsvollen Alltag, ein junger Familienvater braucht neue Kraft und fragt die Gruppe, wie er sich diese holen kann. Alles hat hier seine Zeit und seinen Ort. In der Luft liegen Kraft und Erleichterung.

 

Detlef Springob aus Mecklinghausen hatte als einer der ersten Sauerländer die Idee, einen Ort für kraftvolle Männerbegegnungen zu schaffen. Als er vor der Entscheidung stand, das Zepter seines Bürobedarfsbetriebes weiterzugeben, stellte sich für ihn massiv die Sinnfrage. Springob konnte sich nicht vorstellen, damit alleine zu sein und lud in seine Akademie „Treff“ im Repetal ein.

 

„Natürlich gibt es Widerstände.  Rationalisierungen und Vorstellungen einer „konspirativen Verschwörung“ machen die Runde, wenn unsere Mitglieder von der Männergruppe berichten“, erzählt der Endvierziger mit den vielen guten Ideen. „Wer jedoch einmal bei uns zu Gast war, spürt eine ganz besondere Form der Erdung. Man muss sich vorstellen, dass es die Rollenbilder, mit denen Männer heutzutage zu kämpfen haben, erst seit 100, 200 Jahren gibt. Der Mensch als Art ist jedoch gute 3000mal älter als die Industrialisierung und Digitalisierung. An vielen Stellen fällt den Männern heutzutage auf, dass ihnen irgendetwas fehlt, aber was es ist, wissen sie meistens nicht. Wir haben ganz schlicht herausgefunden: Männern fehlen Männer. So einfach ist das. Wir sind täglich mit anderen Männern zusammen, aber mit welcher Tiefe denn?“

Springob wird nachdenklich. „Wir romantisieren hier nicht den Überlebenskampf unserer Vorfahren und spielen auch keinen Krieg, sind keine Softies und Sockenstricker, sondern versuchen schlicht und einfach, unsere Leben durch neue Erfahrungen und Betrachtungsweisen mit anderen Männern zu bereichern. Denn von richtig verstandener und angewendeter Männlichkeit können produktive Urgewalten ausgehen.“

 

Genau das durfte ich erleben. Wir sitzen noch im Stuhlkreis, vier Stunden sind vergangen, die Luft ist angereichert mit Kraft, Stärke und Inspiration. Ich bin mir sicher, sie wird mich kommenden Monat tragen.

 

Mehr Informationen gibt es unter www.männergruppe-sauerland.de